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Samstag 6. und Sonntag 7. April 2019
10 - 18 Uhr 
Weingut Alois Lageder, Casòn Hirschprunn & Tòr Löwengang, Margreid, Südtirol

Ein weiteres halbes Jahr Arbeit,
dank Unterstützung der Summa 2018

 

Seit der Summa 2018 sind wieder einige Monate vergangen. Es ist Zeit, Rückschau zu halten, was mit der großzügigen und wertvollen Unterstützung seitens der Summa passiert ist.

In den letzten Monaten war unser Haus der Solidarität voll – mit mehr als 50 Gästen im Durchschnitt. Eine lange Liste von Menschen warten auf den Einzug ins HdS. Selbst unsere Notschlafstelle war ständig “ausgebucht”. Es handelt sich um Menschen aus Südtirol und der ganzen Welt, Einzelpersonen und Familien, Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren. Aufgrund der guten wirtschaftlichen Lage arbeiten derzeit viele Gäste unseres Hauses. Zwar sind es in den seltensten Fällen fixe und längerfristige Verträge. Aber wir sind doch froh, weil jede Tätigkeit ein Schritt in Richtung “Normalität” darstellt.

Mit der großzügigen Unterstützung der Summa konnten wir in den vergangenen Monaten vor allem “Härtefällen” helfen. Das sind Menschen, die sonst keine – weder private noch institutionelle – Hilfe bekommen. Hier einige Beispiele:

Eine Journalistin hat sich an uns gewandt. Sie war ganz verzweifelt. Seit längerer Zeit begleitete sie einen jungen nigerianischen Mann, der leicht beeinträchtigt ist. Nachdem sein Asylverfahren abgeschlossen war und keine Nachfolgeunterkunft gefunden wurde, sollte er auf die Straße gestellt werden. Die Journalistin hatte alle Hebel bewegt, um dies zu verhindern. Leider vergeblich. Wir waren ihr letzter Versuch. Nach kurzer Rücksprache in der Hausleitung, haben wir beschlossen, dem Mann eine Chance zu geben. Voraussetzung: Zwei Freiwillige aus dem Bekanntenkreis der Journalistin sollten ihn begleiten, eine Unterkunft im Meraner Raum zu finden. Dort hatte er eine Arbeit in einer Küche in Aussicht. Momentan ist der junge Mann noch im HdS.

Eine etwa 50-jährige Frau stand eines Tages an unserer Bürotür. Sie stammte aus Bulgarien, hat etliche Jahre als „badante“ in Italien gearbeitet und war mit ihrem italienischen Freund auf dem Weg nach Deutschland, wo dieser eine Arbeit antreten wollte. Auf der Fahrt wurde dem Mann übel. Er musste mit dem Verdacht auf Herzinfarkt ins Krankenhaus. Er sollte mehrere Tage zur Beobachtung bleiben. Die Frau hatte keine Unterkunft. Ihr fehlte auch das Geld für ein Hotel oder eine Pension. Wir haben sie aufgenommen. Nach einigen Wochen fand sie, dank der Unterstützung unser Freiwilligen, die sich um „badanti“ kümmern, eine Arbeit. Aufgrund dessen ist sie vorläufig in Südtirol geblieben.

Die Carabinieri von Brixen riefen am Freitag Nachmittag an, mit der Bitte vier kurdische Flüchtlinge für einige Tage zu „überbrücken“. Die Sicherheitskräfte haben einen Schlepper gefasst, der die Männer nach Skandinavien bringen wollte. Sie sprachen weder Deutsch noch Italienisch, einer einige Brocken Englisch. Da sowohl die Zimmer als auch unsere Notschlafstelle voll waren, haben wir im Versammlungssaal vier Notbetten aufgestellt. Nachdem die Polizei ihre Daten aufgenommen hatte, haben wir versucht, dank der Unterstützung eines kurdischen Gastes, Erstinformationen zu geben. Zwei der Flüchtlinge sind noch einiger Zeit spurlos verschwunden. Einer hat sich nach Mailand aufgemacht. Der vierte ging nach Bozen, wo er einen Asylantrag stellen wollte.“

Herr S. wurde Anfang Dezember 2016 von Deutschland nach Italien zurückgeschoben, weil er in Italien seine Fingerabdrücke hinterlassen hatte. Er hatte keine Unterkunft, auch niemanden, den er kannte. Nach einigen Tagen auf der Straße kam er zu uns ins Haus der Solidarität. Es stellte sich alsbald heraus, dass Herr S. schwer traumatisiert war. Er hat mit eigenen Augen ansehen müssen, wie seine Familie massakriert wurde. Nach mehreren Zwischenfällen wurde er zeitweise in die Psychiatrie aufgenommen. Die Ärzte haben inzwischen eine gute medikamentöse Einstellung für ihn gefunden, so dass S. ruhig ist. In den letzten Wochen hat er angefangen, erste kleine Tätigkeiten durchzuführen. Dies ist ein erster wichtiger Schritt zurück zur Normalität. Ein Ehrenamtlicher trifft sich mit ihm wöchentlich. Eine Weile wurde Herr S. noch von Freunden aus Deutschland unterstützt. Inzwischen nicht mehr. Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung fallen somit auf das Haus der Solidarität zurück.

Frau A. stammt aus Nigeria. Sie hatte die Möglichkeit, in Mailand Informatik zu studieren. Nach Beendigung des Studiums war sie eine Weile in Bozen, dann fand sie in Mezzocorona eine Arbeit als „badante“. Sie hat nie einen Lohn bekommen, wurde von einem Familienangehörigen auch sexuell belästigt und kam dann mit Hilfe der Polizei von diesem Arbeitgeber weg. Irgendwie hat es sie wieder nach Südtirol verschlagen und so zu uns ins Haus der Solidarität. Derzeit ist ihre Dokumentensituation unsicher, weil sie mit einer Aufenthaltsgenehmigung aus Studiengründen nach Italien gekommen ist, diese aber nicht mehr gilt. Bisher hat sie keine finanzielle Unterstützung seitens der öffentlichen Hand erhalten. Wir sind dabei dies abzuklären. Auch helfen wir tatkräftig bei der Arbeitssuche mit. Selbst verfügt sie über keine finanziellen Möglichkeiten.

 

Dies sind Momentaufnahmen aus dem Haus – Momentaufnahmen, die durch das engmaschige Netz des Südtiroler Sozialsystems fallen. Wir sind froh, dass wir dank der Hilfe vom Weingut Lageder eine kleine Hilfe sein können. Wir hoffen sehr, dies alles in Ihrem und Eurem Sinne getan zu haben. Wir danken auf diesem Wege von ganzem Herzen für die Unterstützung.

Vielen Dank!

 

 

Haus der Solidarität - Porträt

Seit 16 Jahren hilft das HdS jährlich 150 Menschen in Not. Senioren, Kinder und Jugendliche aus schwierigen Familiensituationen, straffällige und haftentlassene Erwachsene, obdachlose und arbeitslose Menschen, psychisch Kranke, Suchtkranke, ausländische MitbürgerInnen, Flüchtlinge und AsylbewerberInnen, aber auch StudentInnen und Menschen, die sich für andere einsetzen, finden im HdS Hilfe und eine Bleibe. Das HdS beherbergt außerdem ökosoziale Organisationen. Derzeit sind die „Organisation für eine solidarische Welt“ (oew), die Genossenschaft „oikocredit“, die Jugendorganisation „Afzack“ und das offene Technologielabor Otelo dort untergebracht.

Die laufenden Kosten für die vielfältige Arbeit des HdS wurden bisher ohne öffentliche Beiträge abgedeckt. Das Haus finanziert sich lediglich durch Mieteinnahmen, durch eigene Aktivitäten und Spenden.

Als Anerkennung für seine Arbeit wurde das HdS 2008 und 2011 mit dem Cultura-Socialis-Preis ausgezeichnet. 2013 erhielt es – gemeinsam mit den Comboni Missionaren – den Bischof-Josef-Gargitter-Preis. 2015 wurde es mit seinem Brotprojekt Zweiter beim Wettbewerb „Werte mit Herz“ der Raiffeisenkasse Eisacktal. Ein Dokumentarfilm der Filmschule Zelig wurde 2012 gedreht. Der bekannte Filmemacher Andreas Pichler stellt gerade eine Dokumentation über das HdS fertig.

 

Mehr über das Hds:
www.hausdersolidaritaet.org

 

hds